Sie lief wieder ein paar Mal hin und her. Von ihren Wachen machte keiner auch nur Anstalten, dem Wunsch der Diebin nachzukommen. Genug Zeit zum nachdenken hatte sie also Man, eigentlich ist das Angebot vom König ja gar nicht schlecht. Danach hätte ich ausgesorgt. Sache ist nur die, das könnte verdammt gefährlich werden. Und dieser Blödmann Thulsa Doom wird kaum ruhig zusehen, wie wir seinen Untergang vorbereiten. Vermutlich müssen wir ihn nachher auch noch bekämpfen und allein bei dem Gedanken wird mir schon schlecht. Gerade wos mal gut läuft, muss ich ständig Angst haben, das er stirbt. Das ist echt nicht fair. Ach was solls. Mach ichs halt. Vielleicht geht ja auch alles gut und ich kann danach die Beine hochlegen und tun was ich will.
Sie trat zum Gitter, lehnte ihr Gesicht dagegen und blickte zur Seite, wo sie gerade eben eine der Wachen sehen konnte He du! Du kannst dem König ausrichten, dass ichs mache. Aber zu meinen Bedingungen! Die Wache sah sie spöttisch an, schüttelte dann abfällig lächelnd den Kopf und sagte Gut, ich teile es ihm mit. Sie löste sich von der Wand und ging davon, um entweder einen Boten zu beauftragen oder selber zu gehen. Leider machte die andere Wache keinerlei Anstalten sich zu rühren und somit nahm Layla ihre Wanderung wieder auf. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam die Wache zurück Was immer du tun sollst, es muss wichtig sein. Der König selbst kommt noch einmal her.
Alles danach passierte unglaublich schnell. Nachdem jemand Na das ist doch mal eine gute Botschaft gesagt hatte, die Stimme kam Layla irgendwie bekannt vor, gurgelte die Wache ihr eigenes Blut aus und ging zu Boden. Ihrem Kamerad erging es nicht besser, auch er stürzte mit durchschnittener Kehle zu Boden. Und genau vor ihrer Zelle tauchte ein alter Bekannter auf. Draxonar.
Layla machte einen Riesensatz zurück bis an die Wand, duckte sich und starrte ihn feindselig an. Drax lehnte sich nur an die Gitter und lächelte sie unverschämt an Hab mich schon gefragt, wann du endlich zustimmst. Leider leider habe ich keine Zeit für dich meine Hübsche. Aber ich denke, nachdem ich den König getötet habe, nehme ich mir diesen Bogenschützen vor und dann, dann hab ich Zeit für dich. Mit einem unverschämt gut aussehendem Lächeln steckte er den Schlüssel ins Schloss, Layla duckte sich noch tiefer, und brach den Schlüssel ab Ich möchte ja sicher gehen, dass du noch da bist, wenn ich wieder komme. Leise lachend ließ er Layla zurück.
Sobald seine Anwesenehit verschwunden war, Layla konnte sich nicht erklären, warum sie ihn nicht gespürt hatte, sprintete sie zum Gitter und versuchte den Rest des Schlüssels aus dem Schlüsselloch herauszubekommen. Sie hatte nur wenig Zeit und musste schnell aus dem Verließ entkommen, um den König und Azzur zu warnen. Bei dem Gedanken an Azzur fuhr ihr ein kalter Schauder über den Rücken. Der wäre gegen Drax Schnelligkeit machtlos. Und sie bekam den verdammten Schlüsselrest nicht heraus! Panisch warf sie sich gegen das Gitter, schrie laut und versuchte es aufzubiegen. Alles umsonst.
Laylas Herz raste und sie warf sich immer wieder gegen das Gitter, bis sie schließlich mit starrem Blick aufhörte. Ihre Knie zitterten und die ersten Tränen bahnten sich ihren Weg über ihre Wangen, als Layla ein äußerst seltsames Gefühl bekam. Aller Kraft beraubt sank sie zu Boden, ihr Körper zitterte heftig und begann höllisch zu schmerzen. Irgendetwas stimmte nicht. Es fühlte sich an, als wenn ihre Knochen sich neue Positionen suchen würde. Als es Layla nach hinten riss und sie auf den Knien hockend schrie, fühlte sich ihr Körper an, als würde er gerade zerrissen werden. Aber es ging schnell. Als sie wieder Luft holte, war es vorbei. Sie wollte gerade das Gesicht gegen die Gitterstäbe lehnen, als sie unangenehm dagegen stieß. Erschrocken fasste sie an ihr Gesicht und starrte dann keuchend auf ihre Hände.
Entsetzt stemmte sie sich hoch und sah an sich herab. Sie hatte sich verwandelt! In einen Werwolf! Im Gegensatz zu dem anderen war sie zwar nur wenig gewachsen und wenig kräftiger geworden, aber es hatte gereicht, ihre Kleidung an den Säumen einzureißen und die Stiefel vollständig in Abfall aus Leder zu verwandeln. Schnell riss sie sich die Überreste von ihren Füßen und packte dann noch einmal die Gitterstäbe. Sie legte ihre ganze Kraft in das Auseinanderbiegen und es gelang. Für jemand mit kräftigerer Statur als Layla hätte der Platz nicht gereicht, aber sie konnte sich eben so durchquetschen. Die ersten Schritte fühlten sich merkwürdig an, weil ihr ganzer Körper nach vorne zog und schließlich ließ sie sich auf alle Viere nieder und lief so weiter. Es war wesentlich bequemer und ging auch viel schneller. Ein wildes Gefühl des Erfolgs durchströmte ihre Brust. Es fiel ihr immer schwerer, klare Gedanken zu fassen, somit konzentrierte sie sich auf ihr Ziel. Drax verfolgen und aufhalten.
Seinen Duft hatte sie in der Nase, aber auch noch einen anderen. Blut, jede Menge Blut. Nur mühsam schaffte sie es aus dem Verließ hinaus, als sie auch die Quelle des Blutes fand. Drei weitere tote Schwarze Drachen. Mühsam trennte sie sich von dem Anblick und rannte los, dem Geruch der Beute folgend. Des Mannes, der dieses Blutbad angerichtet hatte. Sie kam schnell voran, niemand war mehr auf den Straßen. Es war zu kalt und der Mann hatte vorgesorgt. Ihre scharfen Ohren vernahmen das Geräusch sehr schnell. Kampf.
Sie rannte noch schneller, nahm Abkürzungenn und war innerhalb von Sekunden am Platz des Geschehens. Der Mann hatte mehrere andere verletzt und wollte gerade einen anders als die anderen gekleideten angreifen. Dieser war in die Knie gegangen und Layla spürte sofort Respekt für ihn. Aber er war in Gefahr. Knurrend schnellte sie mit wenigen Sätzen heran und griff den Mann, ihre Beute, im Sprung an. Er war überrascht und schrie erschrocken auf, als Layla ihn mit voller Wucht traf und in den Schnee warf. Sie hatte ihn nicht beißen können und musste sich sofort mit einem Satz zruück in Sicherheit bringen, da er sie mit einem Messer angriff.
Knurrend zog sie die Hinterläufe an und begab sich in eine halb stehende Position. Der Mann stand selber ebenfalls sehr geschmeidig auf und pfiff dann laut. Sofort kamen aus mehrere Verstecken Bewaffnete. Layla sah sich kurz um und kam dann zu dem Schluss, dass sie den eindrucksvollen Mann schützen musste. Es war wichtig, das wusste sie. Daher machte sie einen großen Satz zurück und sah dem Mann bei der Flucht zu. Sie hätte iihm auch nicht folgen können. Bereits spürte sie die Erschöpfung. Mit Hilfe des Mannes schaffte sie es die Bewaffneten zu töten, als die Schwäche sie völlig übermannen wollte. Zitternd stand sie auf zwei Beinen und musterte den Mann, als die Rückverwandlung einsetzte. Diese war längst nicht so schmerzhaft wie die Verwandlung in einen Wolf, aber sie kostete Layla den Rest ihrer Energie. Bevor sie allerdings nichts mehr sagen konnte, hob sie die Hand und zählte ab Ich bekomme ein Haus im Reichenviertel, ich muss mich nicht darum kümmern, wie ich an Geld komme, wenn ich heirate, stellt diese Heirat alles bisher dagewesene in den Schatten.
Sie sah gerade noch, wie der König nickte, als sie das Bewusstsein verlor und hinterrücks in den Schnee fiel.
Der König schüttelte lächelnd den Kopf. Wäre diese kleine Diebin nicht das, was sie war, wäre er jetzt tot. Nun war auch klar, wie sie es geschafft hatte, in Atzels Festung einzudringen. Vorsichtig hob er die kleine Person auf, wunderte sich kurz, wie sie so leicht sein konnte und machte sich dann auf den Weg zur Taverne, in der er den Waldläufer Azzur wusste. Dort angekommen stieß er die Tür auf. Sofort sah er den Waldläufer und einen weißhaarigen Mann. Der Wirt und die restlichen Gäste holten erschrocken Luft, aber Conan ließ sich davon nicht beeindrucken. Er hatte wohl den Blick des Bogenschützen bemerkt, als er Layla gesehen hatte. Er trat zu ihm und legte ihm die kleine Diebin in die Arme.
Kommt morgen zu meinem Palast. Und Waldläufer? Mit der Diebin da hast du einen immens großen Schatz gefunden, den solltest du gut festhalten. Danach drehte sich der König um und ging.